EMDR Fragen und Antworten

Ist EMDR wie Hypnose? Habe ich die Kontrolle?

Das ist eine der häufigsten Fragen. Die klare Antwort ist: Nein, EMDR ist keine Hypnose. Du „trittst“ nicht weg und bist nicht willenlos.

Du bist während der gesamten Sitzung vollkommen wach, klar im Kopf und im „Hier und Jetzt“. Du hast jederzeit die volle Kontrolle. Stell es dir eher so vor: Du sitzt in einem Zug und schaust dir die Landschaft (deine Erinnerung) an, die draußen vorbeizieht. Aber du sitzt sicher im Abteil, und ich sitze als Begleiterin direkt neben dir. Wir können den Zug jederzeit anhalten, wenn du das möchtest.

EMDR bei Trauer: Hilft das nur bei Trauma?

Viele denken, EMDR sei nur für schwere Schocktraumata gedacht. Doch in meiner Trauerbegleitung in Hannover mache ich die Erfahrung: Oft bleiben wir in der Trauer an einem ganz bestimmten „Haken“ hängen.

Das kann ein schwieriges Bild aus dem Krankenhaus sein, ein Schuldgefühl oder der Moment der Todesnachricht. Das ist wie eine Schallplatte, die immer an derselben Stelle springt und das Weitergehen verhindert. EMDR hilft dabei, diesen „Kratzer“ sanft zu glätten. Wichtig: Es nimmt dir nicht die Trauer (denn die gehört zur Liebe dazu), aber es löst die schwere Blockade, damit du wieder fließend fühlen und den Verlust gesund verarbeiten kannst.

Muss ich das Schlimmste im Detail erzählen?

Das ist für viele eine große Erleichterung: Nein, bei EMDR müssen wir nicht jedes schmerzhafte Detail zerpflücken. Anders als in vielen Gesprächstherapien musst du das Erlebte nicht stundenlang und detailliert schildern. Es reicht oft, wenn du das Bild oder das Gefühl innerlich kurz berührst, während wir arbeiten. Dein Gehirn macht die Verarbeitungsarbeit im Inneren, ich begleite nur den Prozess von außen. Das empfinden viele Klienten als sehr schützend und angenehm.

Wie funktioniert das „Winken“ einfach erklärt?

Was im ersten Moment vielleicht ungewohnt aussieht, hat einen ganz natürlichen biologischen Hintergrund. Mit den Augenbewegungen (oder Tönen) imitieren wir den REM-Schlaf (Rapid Eye Movement), also die Phase, in der wir nachts träumen.

Normalerweise verarbeitet dein Gehirn nachts so die Erlebnisse des Tages. Bei schweren Belastungen oder Trauer ist dieser Speicher-Prozess jedoch „steckengeblieben“. Durch die geleiteten Augenbewegungen helfen wir deinem Kopf quasi manuell dabei, das Erlebte neu zu sortieren und endlich dort abzulegen, wo es hingehört: in die Vergangenheit.

Gibt es Nebenwirkungen oder Nachwirkungen?

Wie du dich nach einer EMDR-Sitzung fühlst, ist ganz unterschiedlich. Viele fühlen sich sofort erleichtert, als wäre ein schwerer Rucksack abgefallen. Es kann aber sein, dass du dich müde fühlst oder dein Gehirn noch etwas „nacharbeitet“. Das ist ein gutes Zeichen – Heilung und Neuvernetzung kosten Kraft.

Ich empfehle dir, dir nach einer Sitzung in meiner Praxis in der List nichts Anstrengendes mehr vorzunehmen und gut für dich zu sorgen. Wir besprechen vorher genau, wie du dich danach gut auffangen kannst.

Funktioniert EMDR auch online?

Ja, EMDR lässt sich mittlerweile sehr gut und wissenschaftlich fundiert online durchführen. Statt meiner Hand folgst du dann auf dem Bildschirm einem speziellen Tool (einem Punkt) oder wir arbeiten mit auditiven Impulsen (Tönen über Kopfhörer). Manche Menschen fühlen sich sogar sicherer, wenn sie diese emotionale Arbeit in ihrer gewohnten Umgebung zu Hause machen können. Wir schauen einfach gemeinsam, was sich für dich besser anfühlt.